Kira vom Großen Wald

Meine kleine Geschichte:

Wann ich genau geboren bin, weiß irgendwie niemand. Mein Geburtstag wurde einfach so festgelegt, am 5. Mai. Das ist natürlich irgendwie blöd, weil ich niemandem sagen kann, wie alt ich überhaupt bin, nur ungefähr.

Die Buntbären erzählten mir das so (allerdings werde ich mich kurz fassen, wenn möglich):

Ich kam eines Tages, als ganz kleiner Wolpertingerwelpen, einfach in das Buntbärendorf gestolpert. Erstmal bemerkte mich niemand, alle Bären, die ich sah, waren mit Bienen oder Honig oder beidem beschäftigt. Dann kam ein Buntbär von zitronengelbem Fell auf mich zu und wäre fast über mich gestolpert. Im letzten Moment bemerkte er das kleine Fellknäuel, das da am Boden saß und mit  großen Augen das Treiben im Dorf beobachtete. Wolpertingerwelpen sind so ziemlich das Niedlichste, was man sich vorstellen kann, und der Buntbär nahm mich mit zu sich nach Hause. Er hieß Gogo und war sehr, sehr nett zu mir, obwohl es wirklich selten vorkommt, das ausgerechnet ein Wolpertinger im Großen Wald auftaucht. Er war Lehrer an der Dorfschule und ein großartiger Koch. Ich genoss die ersten Jahre ein gemütliches Dasein in Gogos Hütte, man kann vielleicht sogar sagen, ich wurde verhätschelt. War aber auch nicht wirklich ein Wunder in anbetracht der Tatsache, dass ich noch ein Welpe war.

Als ich ein bisschen älter war, brachte mir Gogo Schreiben und Lesen und Rechnen bei, Schnitzen und ein bisschen Bienenkunde. Da ich ja ein Wolpertinger bin und Wolpertinger gut kämpfen können, schnitzte er mir einen Bogen und ich brachte mir ein bisschen den Umgang damit bei.

Schließlich wurde ich größer und das fanden nicht alle Bunbären gut. Die Bärenkinder bekamen manchmal ein bisschen Angst vor mir und mein Bett wurde mir zu klein. Eines Tages sagte Gogo, dass ich nicht ewig mein dasein bei den Buntbären fristen könne. Damit hatte er natürlich Recht... ein Wolpertinger gehört nach Wolperting, zumindest ein paar Jahre bei seinen Artgenossen. Mein silberner Faden, der seit einiger Zeit da war, sagte mir das Gleiche. Ich verabschiedete mich bei meinen Freunden und machte mich auf den Weg. Irgendwie kam ich aber nicht in Wolperting, sondern in die Finsterberge... und landete vor dem Stollen der Nachtschule. Hier bleibe ich erstmal. Und irgendwann werde ich mich dann nach Wolperting aufmachen! Schlließlich will ich kämpfen lernen. Und Schach. Und natürlich schwimmen! (Ich will unbedingt mal Rala vom Wald treffen...)